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Mönch über den Nebelmeer
Mönch über den Nebelmeer

Darf in Zeiten von Coronavirus eine Reise auf's Jungfraujoch unternommen werden?

Genau diese Frage stelle ich mir im Moment. Die Zahl der erkrankten Personen verdoppeln sich rasant. 228 vor drei Tagen, 500 Fälle vor zwei Stunden. 3 Personen sind bis jetzt gestorben. 

Ich gehöre nicht zur Risikogruppe. Glaube ich jedenfalls. Aber wer kann schon wissen - wenn er denn angesteckt wird - wie sich das Virus bei ihm entwickelt. Habe ich nicht schon (sehr) lange einen Kloß im Hals? Der Termin beim Arzt habe ich nämlich erst heute vereinbart. Ende März. Vielleicht bin ich doch in der Risikogruppe?

Rein Fotografisch gesehen - wäre jetzt ein guter Zeitpunkt für auf's Jungfraujoch. Es hat vielleicht weniger Touristen - wegen des Virus - morgen ist wunderbares Wetter vorausgesagt - und meine Reise soll dann nach Luzern weitergehen. Zugegeben - Da im Moment keine - oder wenig Chinesen in der Schweiz unterwegs sind - bin ich erst auf den Gedanken gekommen - aufs Jungfraujoch zu fahren. 

Mittwoch, 11. März

Mit einem etwas mulmigen Gefühl, mache ich mich gegen 9.00 Uhr auf den Weg zum Bahnhof. Die neusten Meldungen betreffend dem Coronavirus sind entmutigend. 4 Todesfälle, Live-Stream statt Publikum, Notstand im Tessin, Covid 19 ist offiziell eine Pandemie, Italien macht die Schotten dicht. 613 bestätigte Fälle in der Schweiz. 

Ich sitze im Zug und habe ein Abteil für mich allein. Es sind weniger Menschen unterwegs. Ab Bern bleibe ich für mich im Abteil. Mir fällt eine junge Frau auf, die mit Wanderkleidung ausgerüstet im Nachbarsabteil alleine sitzt. Wo sie wohl hin fährt?  

In Spiez steigen zwei ältere Frauen zu. Sie setzen sich vis a vis und beginnen nervös miteinander zu husten und zu reden. Man merkt ihnen an, dass es ungewohnt ist in die Armbeuge zu husten. Deshalb wird zuerst in die Hände, danach in Armrichtung gehustet. Wenn Sie nur nicht soviel tratschen würden... denke ich und krame nach einiger Zeit meine Kopfhörer aus der Tasche und höre Musik - was mich beruhigt. Nichts ist mehr wie vorher. 

In Lauterbrunnen steige ich um, Richtung Wengen - Jungfraujoch. Wieder habe ich zuerst ein Abteil für mich allein. Die Junge Frau von vorhin setzt sich jetzt aber kurze Zeit später auf die freie Bank vis a vis. Sie lacht mich freundlich an und wir beginnen ein Gespräch. Endlich kann ich sie fragen wohin sie geht - und es stellt sich heraus, dass sie wie ich das Jungfraujoch auf dem Plan hat - aus denselben Gründen - wie ich sie hatte - mit dem Unterschied, dass sie keine Angst vor der Pandemie hat und die Reise ganz spontan heute morgen entschieden hatte. 

Auf der kleinen Scheidegg trennen sich unsere Wege - da ich noch unbedingt etwas kleines Essen muss. Es ist unterdessen 13.00 Uhr und ich habe noch einen leeren Magen. So esse ich teure Penne mit einem kleinen Bier, bevor ich die letzte Auffahrt zum Jungfraujoch wage. Die Fahrt dauer fast eine halbe Stunde und die Schienen führen durch die Berge von 2061M über Meer (kleine Scheidegg) bis auf's Jungfraujoch 3'454M über Meer. 

Ich steige aus und es ist genauso wie auf der Homepage vom Jungfraujoch beschrieben: "Eisige Luft streicht übers Gesicht, Schnee knirscht unter den Füssen, und das Panorama nimmt einem fast den Atem: auf der einen Seite der Blick ins Mittelland bis zu den Vogesen, auf der anderen der Aletschgletscher, gesäumt von Viertausendern. Wer auf dem Jungfraujoch steht, spürt beim ersten Schritt: Das hier ist eine andere Welt. Eine, die man erlebt haben muss. "

 

  • 13.3.2020 613 bestätigte Fälle, alle Schulen werden bis 4. April geschlossen.
  • 14.3.2020 Jungfraujoch schliesst wegen dem Coronavirus
  • 15.3.2020 2200 Personen positiv getestet.
  • 21.3.2020 6113 bestätigte Fälle

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